My Lai Inside

MY LAI INSIDE Es ist ein ungewöhnlicher Film, der Dokumentarfilm des Kölner Filmemachers Christoph Felder, der von Wirkung und Glaubwürdigkeit berühmt gewordener Kriegsbilder erzählt und die völlig unterschiedlichen Blickwinkel traumatisierter Beteiligter fokussiert.

Der Film thematisiert eine der bis heute erschreckenden 68er Geschichte, geschehen am 16. März: Vormittags fallen amerikanische Soldaten der Charlie- Kompanie über das vietnamesische Dorf My Lai her, töten in ungefähr vier Stunden fast alle Bewohner - über 500 Zivilisten. Das Militär und die amerikanische Regierung versuchen mit allen Mitteln, den „Vorfall" zu vertuschen. Als das Massaker Jahre spater trotzdem bekannt wird, formiert sich die Antikriegsbewegung erstmals mit lautstarkem Protest.

 

Für das Kriegsverbrechen wird letztendlich niemand wirklich zur Rechenschaft gezogen. 2011 liest Christoph Felder die Geschichte eines Jungen, der angeblich My Lai überlebte und behauptet, seine Mutter und auch er selbst wären auf den weltberühmten Fotos des Armeefotografen Ronald Haeberle zu sehen. Duc lebt im Bergischen Land und möchte den Fotografen persönlich kennenlernen. Kaum jemand, ausser dem Museum in My Lai, zweifelt die Identität der Personen auf den Fotos an.

 

Felder's Kamera hält einen beeindruckenden Moment fest: Haeberle glaubt Duc's Darstellungen und schenkt ihm seine Nikon, deren letzte Aufnahme am 16.3.1968 die einer toten Frau ist. Es ist vermutlich Duc's Mutter, Nguyen Thi Tau.

 

Dieses Foto geht dem dritten Protagonisten des Films, dem 2016 verstorbenen US- Soldaten Larry Colburn, nicht aus dem Kopf. Jeden Tag denkt er an diese Frau, deren Leben hätte vielleicht gerettet werden können. Colburn war Teil der Hubschrauber-Crew, die als einzige Beteiligten versuchten, das Massaker zu stoppen und einigen Vietnamesen in einer heldenhaften Aktion das Leben

retteten Immer wieder erzählt Duc die Geschichte, er sei am Tag des Geschehens sieben Jahre alt gewesen und das berühmte Foto von ihm und seiner Schwester sei von einem Hubschrauber heraus aufgenommen worden.

 

Der spannende Dokumentarfilm macht deutlich, wie traumarisiert die Beteiligten heute noch sind: Der Fotograf, der hätte eingreifen müssen und sich nun damit beruhigt, dass vermutlich der Sohn der toten, fotografierten Frau überlebte. Duc, dem scheinbar auf der Suche nach der eigenen Identität jedes Mittel recht ist und sich in Vietnam als sichtbares Opfer inszeniert - und Larry Colburn, dem die Frau auf dem Foto jeden Tag daran erinnerte, wie sinnlos Kriege, dieser Krieg, dieser 16. März 1968 gewesen ist.

 

"Absolutely splendid documentary..." Howard Jones, University of Alabama

Eugen Drewermann in Ramstein am 7.7.2018

"...Alles das ist furchtbar, sobald wir beginnen es wirklich zu sehen. Grade feiern oder begehen wir im Gedenken den 16. März 1968 den Angriff auf Mỹ Lai. Am letzten Sonntag hat Christoph Felder den Film „My Lai Inside“ herausgebracht und dabei einen der Soldaten des Massakers von mehr als 400 Zivilisten zur Sprache gebracht. Dieser Mann sitzt da und erklärt, was jedem der sich heute zum Militär meldet, freiwillig, blühen wird. Den ersten zu töten ist sehr schwer, du überschreitest eine Grenze, beim zweiten ist es weniger schlimm, beim dritten verlierst du jegliches Gefühl, und beim vierten Toten denkst du, das ist Krieg. Der Mann, der so sprach war kurz danach freiwillig aus dem Leben gegangen, weil dies kein Leben ist, dass man nur verteidigen soll durch Massenmord..."